The power of music

MV Laudenbach

Stimmgewaltige Lebenslust

Gemeinschaftskonzert von Gospel Train und Blasorchester Laudenbach

Kleinheubach/Laudenbach. Förmlich zu spüren war die Begeisterungsfähigkeit der Sänger und Instrumentalisten beim Gemeinschaftskonzert des Blasorchester und des Jungen Chor „The Gospel Train“ aus Laudenbach im Kleinheubacher Hofgartensaal mit Jazz und Musical-Melodien. Mit dem Motto „The power of Music“ wurden neue Maßstäbe gesetzt und auch das kulturelle Engagement der jungen Generation für die Musik unter Beweis gestellt. Vom ersten Moment an übertrug sich dies auch auf die Zuhörer.

Dass die beiden Ensembles mit zu den musikalischen Sympathieträgern im Landkreis gehören, wurde an den zahlreichen Freunden und Fans deutlich, die bereits lange vor Konzertbeginn den Hofgartensaal bis auf den letzten Platz mit weit über 400 Besuchern gefüllt haben. Mit einem gut zwei Stunden dauernden kurzweiligen Programm haben es der junge Chor „The Gospel Train“ (Leitung Holger Blüder) und das Blasorchester (Leitung Erich Rachor) verstanden, in locker, leichter Art mit ihrem Streifzug durch bekannte, aber auch brandneue Melodien den Frühling musikalisch zu begrüßen. Wie kaum eine andere Stilrichtung sind es Jazz und Musicals, die das Lebensgefühl und die Fröhlichkeit vermitteln. Besonders die Jazzmusik mit dem Ausdruck der Leichtigkeit sorgte stets für den überspringenden Drive. 

Im ersten Teil des Programms waren die beiden Ensembles mit stimmungsvollen Musicals zu hören. So hatte das Blasorchester zum Auftakt ein temperamentvolles Medley aus dem Musical „Mamma Mia“ der legendären Gruppe ABBA ausgewählt. Wie kaum ein anderer hat es George Gershwin in seinem Medley aus “Porgy and Bess“ verstanden, die Höhen und Tiefen der Liebe, aber auch den Mord und Totschlag musikalisch so eindrucksvoll zu verbinden. Dieses Werk 1935 in New York uraufgeführt galt in Europa lange als Volksmusical und fand in dem 41 Sängerinnen und Sängern starken Jungen Chor „The Gospel Train“ im Zusammenspiel mit der Combo des Blasorchesters exzellente aber auch stimmlich und dynamisch weiter gereifte Interpreten. Als Komponist hatte Andrew Lloyd Webber 1968 seinen internationalen Durchbruch geschafft. Zu einem seiner neun Musicals zählt auch „Phantom of the opera“, er selbst sieht dieses Werk mehr als moderne Oper und fand damit allgemeine Zustimmung. Beeindruckend die Ausdrucksstärke und Intonation in den Frauenstimmen, die von den Tenören und Bässen klangvoll umrahmt und sehr einfühlsam am Klavier begleitet wurden. Zum Höhepunkt der emotionsgeladenen Aufführungen, die immer wieder von heftigen Beifallsstürmen umjubelt waren, wurde das gemeinsame Konzertieren der beiden jungen und dynamischen Ensembles mit dem „A Concert Celebration“ von Andrew Lloyd Webber und Stücken wie das an Eva Peron erinnernde Don’t cry for me Argentina oder Jesus Christ Superstar. Nachdem der angekündigte Pianist Ulrich Eick-Kerssenbrock ausgefallen war, übernahm Holger Blüder in gewohnt souveräner Manier den Part mit einem Prelude und dem spanischen Feuertanz.

Wie stark der Jazz vom Lebensgefühl und der Improvisation geprägt ist, wurde im zweiten Programmteil mit begleitendem rhytmischen Klatschen und Schnipsen der Sänger zunächst mit Duke Ellingtons „It don’t mean a thing“ deutlich. Mit Harry Warrens Werk „Chattanooga Choo Choo“ das aus der Musik amerikanischer Farbiger hervorgegangen ist, waren auch die neuen Impulse des Jazz zu spüren. Damit haben die quicklebendigen, stimmgewaltigen und vor Lebenslust sprühenden Sängerinnen und Sänger  des Laudenbacher „Gospeltrain“ ihre Zuhörer mit auf eine eindrucksvolle tuckernde musikalische Zugreise durch Pensylvenia genommen. Für den Drive des Lebens sorgten Chor und Combo im Zusammenwirken mit den Solisten am Baß und Schlagzeug sowie den beiden Pianisten am Klavier mit dem Stück „Tuxedo Junction“ von Erskine Hawkins. Mit einer starken Besetzung in allen Registern präsentierte sich das Blasorchester mit einigen Arrangements von Erich Rachor. Darunter waren Titel wie „Night and Day“ von Cole Porter, der ursprüngliche Tanzschlager früherer Zeiten und der vom Orchester als Trompeten Satz vorgestellte „Boogie Woogie Bugle Boy“ von Don Raye. Der 1965 von Henry Mancini geschriebenen Filmkomposition „Der rosarote Panther“ verhalf das diszipliniert und souverän in allen Registern aufspielende Orchester zu neuem Glanz. Dafür sorgten zunächst die Klarinetten und Saxophone, ehe Arno Weimer mit seiner Posaune die Rolle des Pink Panthers übernahm und die Trompeten das Thema bis zur Lösung des Kriminalfalles erneut wiedergaben. „Hey Big Spender“ ein Stück aus dem bekannten Musical Sweet Cherity von Cy Colemann nach einem Arrangement von Erich Rachor, wurde mit der absolut klassischen und ausdrucksstarken Stimme von Kerstin Olejak als Gesangssolistin nahezu professionell dargeboten. Den Schlusspunkt eines begeisternden Konzertabends setzte das von beiden Ensembles rhythmisch präzise aufgeführte „On the sunny side of the street“ von Jimmy Mc Hugh, das die gute Harmonie von Chor und Orchester widerspiegelte. Am Ende eines gelungenen und denkwürdigen Gemeinschaftskonzerts, sorgte der lange anhaltende frenetische Beifall der Besucher für eine weitere Zugabe. Am Klavier wurden einige Stücke von Christopher Hans und Joachim Schäfer stets einfühlsam und zurückhaltend ohne selbst glänzen zu wollen begleitet. Informativ durch das Programm führten Ingrid Reuß und Gerhard Lang für „The Gospel Train“ und Heike Rachor für das Blasorchester.

Manfred Seemann, Bote vom Untermain vom 05. April 2005        

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