Dreikönigskonzert 2004

MV Laudenbach

Blasmusik vom Allerfeinsten wurde den Zuhörern beim Dreikönigskonzert des Musikverein Laudenbach geboten

Kleinheubach/Laudenbach. Konzerte des Musikverein „Harmonie“ sind zum Jahresbeginn stets eine gute Adresse für außergewöhnlich konzertante aber auch moderne Blasmusik. Dafür sorgten das Laudenbacher Blasorchester und das Gastorchester des Musikverein Klingenberg und sind dem vielerorts gepflegten Vorurteil entgegen getreten, Blasorchester beschäftigten sich grundsätzlich mit „Volle-Backen-Musik“. Kein Wunder also, dass der Kleinheubacher „Hofgartensaal“ am Sonntag wieder 400 begeisterte Zuhörer beim 21. Dreikönigskonzert gefunden hat, die mit der musikalischen Kost vollauf zufrieden waren.

Für das gut zweistündige Konzertprogramm hatten die Dirigenten Erich Rachor, Christian Gerling und Reiner Hanten Werke bekannter Komponisten wie Jakob de Haan, Warren Baker, Franz Watz, Johan de Mey und Henry Mancini ausgewählt. Den Besuchern wurde Blasmusik vom Allerfeinsten, mit differenzierter Interpretation, ungebremster Spielfreude, hohem technischen Niveau, bei einem frischen, harmonischen Gesamtklang geboten. Auch stellten einige Solisten immer wieder ihr Können mit herausragender Präzision unter Beweis.

Gelungene Vorstellung des Gastorchesters aus Klingenberg

Vom Gastorchester aus Klingenberg unter der Leitung von Reiner Hanten wurde mit dem getragenen Musicalstück „Over the Rainbow“ nach einem Arrangement von Jerry Brubaker der erste Teil des Konzerts stilvoll eröffnet. Mit dem dynamisch packenden Werk „Oregon“ von Jakob de Haan entführte das Orchester die Zuhörer in den nordwestlichsten US Bundesstaat Oregon mit exzellenter musikalischer Landschaftsbeschreibung durch den Klang der Blechbläser und einem rasanten Schlagzeug-Wirbel wurde die fantastische Rail Roud nachempfunden. In Erinnerung an den Ex-Beatle leitete das Ensemble über mit J. Bocooks Arrangement „Tribute to George Harrison“. Den amerikanischen Traditionsmarsch „76 Trombones“ einst geschrieben für 76 Posaunen von Meredith Willson verstanden die vier Posaunisten des Orchesters aus der Rotweinstadt mit Unterstützung der Hörner und Baritone, sowie der präzisen Einsätze der Klarinetten musikalisch klangvoll umzusetzen. Mit „New York 1927“ von Warren Backer entführte der in sich geschlossen wirkende Klangkörper mit sauberem Zwischenspiel der Trompeten die Zuhörer mit Blues und Reagtime Melodien in das Amerika der dreißiger Jahre. Einen Hauch des legendären Broadweys versprühte das Orchester mit Jack Bullocks Arrangement “A Touch of Broadway“ mit bekannten Film-und Musicalmelodien. Mit dem klangvollen „Castaldo-Marsch“ als Zugabe sorgte das Gastorchester für einen flotten Abschluß des ersten Programmteiles durch das Peter Gernhard informativ führte.

Laudenbachs Musikernachwuchs

Die seit zwei Jahren intensiv betriebene Aufbauarbeit mit jungen Nachwuchstalenten beim Musikverein „Harmonie“ stellte das Vororchester unter der Leitung von Christian Gerling eindrucksvoll mit eigenen Beiträgen unter Beweis. Dynamisch und sauber wurde die bekannte „Eurovisions-Hymna“ von A. Carpentier nach einem Arrangement von Bill Holcombe intoniert. Von den 14 Jungmusikern wurden mit beachtlicher Spielfreude das „L’inverno è passato“ nach einem Arrangement von Franz Watz und das bekannte „Oh when the Saints“ dargeboten.

Blasorchester Laudenbach mit frischem harmonischen Gesamtklang

Erwartungsvoll waren die Besucher auf das was das Blasorchester aus Laudenbach unter der Leitung ihres energischen und einfühlsamen Dirigenten Erich Rachor im weiteren Programm zu bieten hatte. Schon gleich zu Beginn war mit dem stimmungsvollen „Gruß an Böhmen“ von Vaclav Vackar nach einer Bearbeitung von Franz Bummerl die harmonische Interaktion zwischen Musikern und Dirigent erkennbar. Zum Markenzeichen der gehobenen Unterhaltung im Wien des 19. Jahrhunderts gehörte zweifellos die Entspannung bei Tanz, Oper und Operette mit prunkvoller Musik. So auch die in Sonatenform komponierte variantenreiche Ouvertuere aus der Oper „Die Fledermaus“ von Johann Strauß, in deren verschiedenartige Tanzmelodien mit nachsingbaren Phrasen sich immer neue Motive fügen und vom Laudenbacher Orchester mit flottem Tempowechsel bei präzisem Spiel von Klarinetten und Trompeten nach einem Arrangement von Johan de Mey prächtig interpretiert wurde. Einen Abstecher in die erfolgreichste Filmmusik des legendären John Barry wagte das Orchester mit so bekannten Songs wie „Goldfinger“, „For your Eyes only“ oder „All Time high“ aus der Filmserie „James Bond oo7“, dabei sorgte Johan de May für eine perfekte Balance zwischen Action, Spannung und Melodik in seinem anspruchsvollen Arrangement, was vom Ensemble bei den verschiedensten Themen quer durch alle Instrumente im Wechsel dynamisch und kontrastreich, ob beim Swing, den Balladen oder Disco-Groove umgesetzt und damit zu einem vollendeten Glanzstück wurde. Besonders ragten dabei die Hörner heraus, die das Thema präzise von den Trompeten übernahmen.

In einem witzigen, swingenden Arrangement von Erich Rachor verhalf das Orchester der 1965 von Henry Mancini geschriebenen Filmkomposition „Der rosarote Panther“ zu neuem Glanz. Dafür sorgten zunächst die Klarinetten und Saxophone, ehe Arno Weimer mit seiner Posaune die Rolle des Pink Panthers übernahm und die Trompeten das Thema erneut wiedergaben. Seit 25 Jahren bricht „Mamma Mia“ das Musical mit den Hits von ABBA alle Verkaufsrekorde und avancierte zum gefeierten Verkaufssschlager. Das faszinierende an der Musik von ABBA, die sehr humorvoll und einfallsreich ist und das Lebensgefühl ganzer Generationen prägte, verstanden nach einem Arrangement von Roy Phillippe die Musiker prächtig in Szene zu setzen. Den Schlußpunkt eines begeisternden Konzertabends setzte das von den Trompetern Herbert Hermann/Stephan Frosch und der Sängerin Kerstin Olejak geprägte Werk „On the Sunny Side of the Street“ aus der Feder von Peter Falk nach einem Arrangement von Erich Rachor. Großer Beifall am Ende und drei Zugaben, unter denen vor allem das „Somethin stupid“ mit dem Gesangsduo Kerstin Olejak/Christian Schmidt in guter Harmonie mit dem Orchester herausstachen. Durch das Programm führten mit lockeren und informativen Ansagen im Wechsel einige Musiker.

Manfred Seemann

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