Dreikönigskonzert 2003

MV Laudenbach

"Bote vom Unter-Main":

Mit Präzision und Ausdrucksstärke rund um die Welt

Dreikönigskonzert der Laudenbacher "Harmonie" mit begeisternden Nachwuchssolisten - Gastorchester aus Rüdenau

Kleinheubach/Laudenbach.
Die Konzerte des Musikvereins Harmonie aus Laudenbach sind seit Jahren eine gute Adresse differenzierter, technisch anspruchsvoller konzertanter aber auch moderner Blasmusik. Das inzwischen neu formierte und gefestigte Laudenbacher Orchester hat wie auch die Gastkapelle des Musikvereins Rüdenau eindrucksvoll bewiesen, dass diese Form der Blasmusik den ungebrochenen Zuspruch vieler Zuhörer findet. Kein Wunder also, dass der Kleinheubacher Hofgartensaal beim 20. Dreikönigskonzert zur gelungenen Auftaktveranstaltung zum 80-jährigen Bestehen des Laudenbacher Blasorchesters wurde und zahlreiche begeisterte Besucher gefunden hat.
Für das gut zweieinhalbstündige Konzertprogramm hatten die Dirigenten Alberto Herkert und Erich Rachor Werke bekannter Komponisten wie Kees Vlak, Leroy Anderson, Jakob de Haan und Cy Coleman ausgewählt. Zu musikalischen Glanzleistungen auf ansprechendem Niveau spornten die engagierten Dirigenten ihre Musikerinnen und Musiker an. Auch stellten zahlreiche junge Solisten immer wieder ihr Können mit beachtlicher Präzision unter Beweis.
Vom 35 Musiker zählenden Gastorchester aus Rüdenau unter der Leitung von Alberto Herkert wurde mit der "Motivation" des Komponisten Volkmar Müller-Deck mit präzisen Tempiwechseln und technisch perfektem Spiel der Klarinetten der erste Teil des Konzertes mit temperamentvollen Klängen eröffnet.
Das Ensemble leitete über zu dem Titel "Free World Fantasy" von Jakob de Haan. Der sauber herausgearbeitete Klang der Klarinetten, Trompeten und Tenorhörner sowie der sonore Klang der Saxophone erinnerte an eine Welt des Schwebens und Frohlockens, die die Menschen noch nicht erreicht haben.
Mit "The New Village" einer "Fantasy for Band", geschrieben von Kess Vlak als Auftragswerk anlässlich der niederländischen Festspiele, unterstrich des Orchester mit grandiosem Schlussakkord seine Fähigkeiten, ein recht anspruchsvolles Werk zu meistern. Die musikalische Aufzeichnung der Geschichte und das Entstehen eines Dorfes wurde klassisch nachempfunden.
Vom melodischen Klang der Klarinetten und Querflöten geprägt, folgte die irische Weise "Kilkenny Rhapsody". Das folkloristisch erzählende Stück profitierte besonders vom Klang der Flöten und der kleinen Trommel, wobei Lieder und Tänze im Wechsel zum wirkungsvollen Höhepunkt führten. Mit dem schwungvollen, von Trompeten geführten Paso doble "Pepe" aus der Feder von Luigi di Ghisallo führte die musikalische Reise der Rüdenauer Musikkapelle weiter nach Süden.
Wie sich die Musik den Menschen und ihren Rhythmen anzupassen vermag, wurde mit Anton Hermanns peruanischem Satz "El Condor Pissa" den Zuhörern bei sauberem Klang der Querflöten und Klarinetten deutlich. Mit dem klangvollen südamerikanischen Satz "Sunday in Rio" von Harm Evers, in dem die unterschiedlichsten Panoramen der Stadt musikalisch dargestellt wurden, verabschiedete das Gastorchester aus Rüdenau die begeisterten Zuhörer in die Pause.

Gespannt waren die Besucher auf das, was das Blasorchester aus Laudenbach unter Leitung von Erich Rachor im zweiten Programmteil zu bieten hatte. Schon gleich zu Beginn setzte das Orchester mit der Melodie "Graf Zeppelin" von Carl Teike nach einem Arrangement von Werner Wössner ein erstes Zeichen von harmonischer Interaktion zwischen Musikern und Dirigenten.
Aus C. M. v. Webers Oper "Der Freischütz" war nach einem Arrangement von J. Heisig das im Jahre 1821 in Berlin uraufgeführte Werk "Fantasie" zu hören, das den Inbegriff der deutschen Oper darstellt. In dem klanglich wie musikalisch erfrischenden Stück wurde die Klarinette von Anna Maria Frieß und Rebecca Hannover exzellent vorgestellt. Der von schwungvollen Tempiwechsel und präzisen Trompetenklängen gekennzeichnete und freudig schließende Marsch animierte die Zuhörer zum Mitklatschen.
Die Indianer der amerikanischen Nord- und Südstaaten sind die zentralen Figuren des von Jakob de Haan komponierten Stückes "Dakota" gewesen. In fünf Sätzen verstand es das Orchester, die Kultur und Geschichte der Dakota-Indianer besonders mit den Trompeten und Tenorhörnern darzustellen. Aus dem Musical "A Chorus Line" von Marvin Hamlisch folgte nach einem Arrangement von Erich Rachor das ausdrucksstarke Tanz- und Liebesstück "What I Did For Love”, das durch die herrliche Stimme der Solistin Kerstin Olejak profitierte.
Zu einem ungewöhnlich farbigen Klangbild mit reizvollen Verbindungen südamerikanischer Rhythmen und einer Mischung aus Blues und Jazzelementen verstand es besonders die Trompeter mit der Aufführung des "Buglers Holiday" den wohl erfolgreichsten amerikanischen Komponisten Leroy Anderson mit seinen klanglich arrangierten Gags gegenwärtig werden zu lassen.
Technisch brillant in der Ausführung und mit bemerkenswerter Spielfreude gelang es Frieß und Hannover, das Stück "Clarinando" von Richard Comello zu interpretieren. Den Schlusspunkt eines begeisternden Konzertabends setzte das rhythmisch sauber dargebotene "Hey Big Spender" mit Kerstin Olejak als Gesangssolistin. Nach großem Beifall kam das Orchester den geforderten Zugaben der Besucher gerne nach.
Durch das Programm führten Paul Kern für Rüdenau und einige Musiker für Laudenbach.    

Manfred Seemann

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